Dr. Sascha Meyer dos Santos und Andreas Daus werden geehrt

Die Hessische Umweltministerin Lucia Puttrich konnte in diesem Jahr bereits zum vierten Mal den Hessischen Tierschutz-Forschungspreis verleihen. Die Ministerin würdigte im Landtag drei herausragende Forschungsarbeiten, die zu einem Ersatz von Tierversuchen durch Versuche an Zellkulturen oder durch Computersimulationen führen. Auch Arbeiten, die das Leiden der Versuchstiere minimieren oder zu einer Verringerung der Versuchstierzahlen durch kluges Versuchsdesign beitragen, wurden gewürdigt.

 

Dr. Sascha Meyer dos Santos
'Das CX3C Chemokin Fractalkin bewirkt die Anhaftung von Blutplättchen mittels des von Willebrand Rezeptors GPlb'

 

Die Arbeit von Dr. Sascha Meyer dos Santos, Biochemiker am Institut für Klinische Pharmakologie der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt, schildert die Verwendung von humanen Arterien anstelle der als Standard verwendeten Maus. Die verwendeten humanen Arterienstücke fallen als nicht verwendete Reste bei Bypass-Operationen an und werden in eine Flußkammer eingesetzt, um die Interaktion von Blutplättchen mit der Arterieninnenwand unter physiologischen Flußbedingungen mikroskopisch zu beobachten. Daher wurde ein 'replacement', d.h. ein Ersatz von Tierversuchen durch dieses Modell erreicht und neuartige Mechanismen der Arteriosklerose Entstehung aufgedeckt.

 

Andreas Daus
'Biosensoren auf Basis dreidemensionaler Zellkultursysteme: Alternativen zum Tierversuch in der Grundlagenforschung und angewandten Forschung'

 

In der Forschung von Andreas Daus, Master of Engineering an der Hochschule Aschaffenburg in den Bereichen Wirtschaftsinfeniurwesen und Elektrotechnik, geht es um vitro Zellkulturen (=außerhalb des Organismus) als attraktives Instrument für den Ersatz von Tierversuchen. In einem Kooperationsprojekt der Arbeitsgruppe von Prof. Paul Layer von der Technischen Universität Darmstadt und Prof. Christiane Thielemann von der Hochschule Aschaffenburg hat Andreas Daus ein neuartiges Biosensorsystem auf der Basis dreidimensionaler Zellkultursysteme entwickelt. Damit ist es künftig möglich, Aussagen über die Wirkung von pharmakologischen Substanzen oder bestimmter Strahlungen auf biologisches Gewebe zu treffen und dabei auf Tierversuche zu verzichten. Die Forschungsergebnisse wurden bereits mehrfach in renommierten Journalen publiziert und auf internationalen Konferenzen vorgestellt.

 

Eine Sonderauszeichnung ging an die beiden Physiker Prof. Dr. Wolfgang Kleinekofort und Prof. Dr. Friedemann Völklein von der Hochschule Rhein Main. Die beiden Wissenschaftler - Professoren in den Bereichen Medizintechnik und Physikalische Technik - haben innerhalb der letzten zwei Jahre eine Alternativmethode zur Testung von Implantatoberflächen entwickelt, welche in Zukunft Versuche am und mit dem lebenden Tier durch Experimente an Zellverbünden menschlichen Ursprungs ersetzen kann.

Ein neuartiger Mikrochip wird mit der zu testenden Oberfläche beschichtet und anschließend im Bioreaktor mit Zellen besiedelt. Der Chip erfasst das Wohlbefinden des Zellverbundes über die stoffwechselbedingte Wärmeproduktion auf der Chipoberfläche. Mann kann den Chip als eine Art Fieberthermometer auf zellulärer Ebene sehen. Hierdurch können Langzeitbeobachtungen von neuartigen Implantatoberflächen außerhalb des Körpers vorgenommen werden und ungeeignete Oberflächen im Vorfeld ohne den Einsatz von Versuchstieren identifiziert und ausgesondert werden.

 

Nach Auffassung der Jury sind alle Auszeichnungen von großer Bedeutung für den Tierschutz und bestechen durch ihren originellen und innovativen Ansatz.

 

Der Preis wurde am 11. September 2012 im Hessischen Landtag durch Umweltministerin Lucia Puttrich überreicht.

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