Der Verbraucher will das so ….

Tierschutzthemen sind immer häufiger präsent: in den Medien, in politischen Debatten, sogar vor Gericht. Besonders erbittert wird über das sogenannte "Wohl" der "Nutz"tiere gestritten.

Ein paar Zentimeter mehr für die Schweine in ihren Kastenständen, Ausfuhrverbot für tragende Färsen aus der EU, Routinekontrollen in Tierkörperverwertungsanlagen - Vorgaben selbst für minimale Veränderungen in der Tierhaltung rufen sofort den Bauernverband auf den Plan mit düsteren Prognosen im Hinblick auf die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland und der immer neuen Forderung nach sogenannten "Ausgleichszahlungen".

Das ultimative Argument von Politikern und Vertretern der Agrarindustrie ist dann immer: der Verbraucher will billige Lebensmittel, und diese können nur unter optimaler Nutzung der Tiere in entsprechenden Haltungssystemen produziert werden.  Über die Jahre läßt sich dann gut beobachten, wie weit das, was als "Meilenstein im Tierschutz" medial gepriesen wird, das traurige Dasein der "Nutz"tiere eben nicht wirklich zum Besseren verändert.

Hühner in Legebatterien, Schweine in Käfigen, wo sie sich nicht mal umdrehen können, Hochleistungskühe mit einer Milchleistung, die sie nur unter Auszehrung des eigenen Körpers für maximal 3 Jahre erbringen können -  all das, was Sie und ich und die meisten Landsleute nach Umfragen überhaupt nicht gut finden, ist millionenfache Praxis, und zwar - das ist das perverse daran - angeblich weil wir , Sie und ich, das so wollen. Das sogenannte "Interesse des Verbrauchers" an billigen Eiern, billigem Fleisch, billiger Milch, erzwingt geradezu eine kostensparende Massentierhaltung. So die offizielle Lesart.  

Sie und ich – das muß man sich mal klar machen - sind nämlich für Politik und Wirtschaft völlig eindimensional. Wir sind letztlich nur "Verbraucher". Nicht anderes. Mag die Identitätsdebatte noch so laut und heftig geführt werden – eigentlich ist es völlig egal, wer welches Geschlecht hat und wo er herkommt.  Hauptsache es wird gekauft, verbraucht, gekauft, verbraucht…. Soziale, psychologische, religiöse Aspekte spielen zwar vordergründig eine Rolle, das hört sich alles gut an in Talk-Shows und im Internet. Tatsächlich sind wir als Menschen jedoch reduziert worden auf unsere Kaufkraft.  Angeblich wollen wir – die Verbraucher, also Sie und ich – nur eines:  nämlich mehr von allem, möglichst kostengünstig und am besten sofort…und das ganz besonders im Lebensmittelbereich.

Nur – Menschen sind so viel mehr und anderes als Verbraucher. Die ganze Vielfalt menschlichen Seins wird ignoriert von einer politikgestützten Wirtschaft, die uns alle auf das reduziert, was wir (angeblich) verbrauchen wollen. Das System Kapitalismus agiert längst selbst-erhaltend. Selbst wenn Sie und ich für den Rest unseres Lebens kein einziges Ei mehr essen, keinerlei Milchprodukte mehr verzehren und komplett auf Fleisch verzichten würden, hätte das keinerlei Einfluß auf die deutsche Produktion von Eiern, Milch und Fleisch und das schreckliche Schicksal der Kühe, Schweine, Rinder und Hühner.  Irgendwelche Abnehmer für deutsche Produkte finden sich immer in einer globalen Wirtschaftswelt. Die Zahl der vegetarisch/vegan lebenden Menschen in Deutschland steigt kontinuierlich, ebenso wie das Bewußtsein für das Leid und die Bedürfnisse von Tieren. Aber: Die Zahl der "Nutz"tiere in ihren elenden Haltungssystemen steigt jedoch ebenfalls.

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