Empathie des Herzens

Weihnachten 2020 wird keiner von uns so schnell vergessen. Das Fest der gemeinsamen Gemütlichkeit stand unter dem Diktat der Distanz. Die Geschäfte waren leer. Die Intensivstationen füllten sich. Panische Angst vor Ansteckung und aggressive Leugnung der Gefahr existierten nebeneinander. Das laute Schweigen der Kirchen wurde übertönt von den Durchhalteparolen der Politiker. Und abends meldete das Fernsehen die Zahl der Toten des Tages.

In der Unternehmensberatung unterscheidet man "Kernprozesse" von "Supportprozessen".

Es gibt Firmen, die mit viel Geld und großem Personalaufwand eine ständige Optimierung der Produktionsmethoden betreiben. Irgendwann stehen die Chefs dann ungläubig vor der Insolvenz.  Während Maschinen, Abläufe, Vertrieb perfektioniert wurden, hatten sie das Produkt und damit das Kerngeschäft aus den Augen verloren.

Im Hinblick auf die Pandemie gilt etwas Ähnliches. Maskenpflicht, Beherbergungsverbot, Einschränkungen von Kontakten in allen Lebensbereichen und auch die Impfung – das sind alles Supportprozesse, mehr oder weniger notwendig, mehr oder weniger wirkungsvoll, je nach Standpunkt.  Eine ganze Gesellschaft tastet sich in Deutschland langsam durch den Nebel einer so noch nie dagewesenen globalen Bedrohung.  Was aber ist (oder wäre) das Kerngeschäft? Worauf gilt es zu achten, wenn die aktuelle Krise vorüber oder zumindest handhabbar geworden ist?

Auf diese Frage müssen wir eine Antwort finden, wenn wir die Pandemie nicht nur überstehen sondern uns durch diese Herausforderung weiter entwickeln wollen. Was ist unser "Kerngeschäft" als Menschen, als Bürger dieses Landes, als Teil der Weltbevölkerung?

Wir Freunde der Tiere haben unsere Antwort gefunden. Unser Kernanliegen ist Empathie und zwar für Lebewesen, die extrem leiden und permanent vom Tod bedroht sind. Natürlich müssen auch Tierschützer sich mit den Support-Systemen befassen: Spenderwerbung, Verwaltungsorgane, Vereinsrecht, wissenschaftliche Untersuchungen, politische Kontakte. Aber ohne die von Herzen kommende Empathie mit denen, die Unrecht leiden, bleibt das alles grau und leer. Und irgendwann kommt dann die Insolvenz, wenn nicht finanziell, dann ethisch.  

Und genau dieses Kernanliegen, dieses Mitgefühl für die leidende und bedrohte Tierheit ist der Beitrag, den wir Tierschützer in die Diskussion um die Zukunft nach Corvid 19 einbringen können und müssen.

Das Leiden der Tiere geht ja weiter auch in Corona-Zeiten. 17 Millionen Nerze zu töten ist legales Unrecht. Schweine weiter zu besamen, wenn es sowieso zu viele gibt in den Ställen der deutschen Landwirte, ist legales Unrecht. Rinder in Länder zu exportieren, wo sie ohne Betäubung geschlachtet werden, ist legales Unrecht.

Das und noch vieles andere müssen wir sagen, laut und deutlich, aber immer aus der Empathie unseres Herzens heraus. Unser Kerngeschäft ist eben nicht die Kritik an Politik und Gesellschaft, unser Kerngeschäft ist die Empathie mit den Tieren.  Und wenn wir dieses Mitgefühl in unsere verängstigte, unsichere Gesellschaft tragen können, dann haben wir einen wichtigen Beitrag für eine gute Zukunft von Mensch und Tier geleistet. 

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