Good bye Great African Sea Forest…

Der erfolgreiche Tierdokumentarfilmer Craig Foster möchte sein Leben ändern und beginnt zu tauchen. In einer Meeresbucht bei Kapstadt begegnet er einem Oktopus. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, und sie zeigt ihm ihre Unterwasserwelt der Kelpwälder. Ein Jahr lang treffen die beiden sich täglich. Craig Forster gibt seiner Partnerin bei diesen Exkursionen keinen Namen, um sie als "wildes Tier zu respektieren, im Gegensatz zum Haustier".

Der Netflixfilm über diese Interspecies Freundschaft "My Octopus Teacher" (2020) hat weltweit Aufsehen erregt und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, dieser Tage auch mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Der Great African Sea Forest erstreckt sich über 1000 km von Namibia bis zum Kap der guten Hoffnung und wird gebildet aus bis zu 17 m hohen Bambuspflanzen.  Die von den Seeleuten der Vergangenheit so gefürchteten Stürme treiben das nährstoffreiche Tiefenwasser nach oben, das die Pflanzen mit reichlich Nährstoffen versorgt. Diese wiederum bieten einer vielfältigen Fauna Schutz und Nahrung. Auch für das globale Klima spielt der Lebensraum Sea Forest eine wichtige Rolle. Die in die Tiefsee gespülte Algen bilden dort Kohlenstoffsenken und binden CO2. Diese Funktion der Kelpwälder ist noch wenig erforscht, und auch die Tiere, die dort leben, geben den Wissenschaftlern viele Rätsel auf.

Ziel des Netflixfilmes ist es, Aufmerksamkeit zu erzeugen, für Forschungsgelder und Schutzmaßnahmen zu werben, und den Verzehr von Oktopusfleisch zu stoppen. 

Doch das Veröffentlichen der Filmaufnahmen hatte sofort die üblichen unguten Nebenwirkungen.

Craig Foster und sein Team haben den Ort der Aufnahmen zwar geheim gehalten. Aber Ortskundige konnten die Stelle, wo die Treffen Mensch-Oktopus stattfanden, anhand von Küstenformation und Gesteinsbrocken identifizieren. Ein neues interessantes Ziel für Touristen und Hobbytaucher war gefunden. Was das längerfristig bedeutet, kann sich jeder selbst ausdenken: mehr Müll, neue Infrastrukturen, mehr Trinkwasserverbrauch, mehr Verkehrsaufkommen, am Ende die Zerstörung dieser einzigartigen Unterwasserwelt. Nach Aussage von Meeresbiologen hat dieser Trend schon begonnen.

Könnte die weltweite Pandemie das globale Reisen vielleicht einschränken? Dies ist nach Aussage von TUI Vorstandschef F. Joussen in einem Interview am 24. April eine trügerische Hoffnung:

In den letzten 15 Jahren ist der Tourismus doppelt so stark gewachsen wie das Bruttosozialprodukt. Es gibt nicht viele derart wachstumsstarke Märkte. Zwei Megatrends treiben dieses Wachstum. Zum einen bleiben die Menschen länger gesund, sind fit, werden älter und haben Geld… Zum andern ändern sich in der jungen Generation Wertvorstellungen, viele wollen lieber etwas erleben als etwas zu besitzen. Reisen steht dabei immer mehr im Fokus… Beide Trends werden von der Pandemie nicht gebrochen… Sobald die Menschen wieder reisen dürfen, werden die Trends sofort dafür sorgen, dass das Reisen ungebrochen wieder so wächst wie zuvor.

Good bye Great African Sea Forest - der Tourismus wird dein Ende sein. Was möglich ist, wird gemacht und Verzicht ist leider aus der Mode gekommen.

Hessen-Suche