Landestierschutzbeauftragte Martin anlässlich des 24.04.2021 Tag des Versuchstieres:

“Wir brauchen endlich eine ehrliche Diskussion über den Nutzen von Tierversuchen und eine neue Förderstruktur für Alternativen“

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Pressemitteilung LBT
Pressemitteilung LBT

Anlässlich des Tages des Versuchstieres fordert Martin, endlich eine ehrliche Diskussion über den Nutzen von Tierversuchen zu führen und eine neue Förderstruktur zu beginnen. Sie sieht dabei die hessische Landesregierung in der Pflicht, im 2. Teil der Legislaturperiode, neben den Refine, Reduce, Replace-Professuren auch die Forschung zu und die Validierung von Alternativmethoden zu Tierversuchen allgemein stärker finanziell zu fördern.

Die Entwicklung tierversuchsfreier Forschung erhält nur einen Bruchteil aller Forschungsgelder - doch auch die Entwicklung alternativer Methoden benötigt Geräte, Material und Personal.

„Viele, gute und zukunftsfähige Ideen werden nicht umgesetzt, weil sie mangels Finanzierung nicht mehr weitergeführt werden können“, so Martin heute in Wiesbaden. „Dabei muss man wissen, dass die große Mehrheit aller Medikamente, die an Tieren erfolgreich getestet wurden, in Studien an Menschen durchfällt. Die US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA spricht von 92 Prozent, andere sogar von 95 Prozent (Nature Reviews Drug Discovery: Arrowsmith, 2012). Es wird Zeit, den Blick zu wenden und sich auch einmal ernsthaft zu fragen, wieviel gute Heilungsmöglichkeiten uns entgehen, weil wir gerade auch in der Grundlagenforschung nach wie vor die Tierversuche als „Goldstandard“ sehen und die Forschung nach Alternativen viel zu wenig finanziell unterstützen.“

Die LBT sieht hier andere Bundesländer auf einem besseren Weg: Das Land Baden-Württemberg gibt jährlich 280.00 Euro ausdrücklich in diesen Bereich, NRW weist 300.000 Euro aus. „Gemessen an dem, was in Übersee an Geldern fließt, sind das geringe Beträge, aber besser als nichts – so wie in Hessen. Natürlich können Bundesländer die Versäumnisse des Bundes nicht ganz ausgleichen, aber sie sollten angemessen wegweisend die Forschung nach Alternativen unterstützen.“

Ein Blick in andere Länder wie die USA zeigt: Schon 2004 wurde von der FDA, der amerikanische Zulassungsbehörde für Arzneimittel, ein Systemwechsel gefordert. So startete bereits 2012 ein Human-On-A-Chip-Projekt mit einer staatlichen Förderung von 145 Millionen Dollar (Stem Cell Research & Therapy: Sutherland et al., 2013).

„Von solchen Summen können die Forscher auf dem Gebiet der Alternativen zu Tierversuchen in Deutschland nur träumen. Damit verpassen wir einmal mehr, uns breit bei dieser Form der Zukunftstechnologien aufzustellen.“

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