Management invasiver Arten heißt nicht immer Töten!!

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Waschbär

Leider werden im Zusammenhang mit invasiven Arten seitens der Jägerschaft immer wieder Dinge behauptet, die nicht der Wahrheit entsprechen. So droht Deutschland im Zusammenhang mit der EU-Verordnung zu invasiven Arten keinerlei Vertragsverletzungsverfahren, weil nicht genug Tiere getötet würden.
Warum? Die EU unterscheidet nämlich sehr differenziert und gibt den Mitgliedsstaaten verschiedene Wege an die Hand, invasive Arten nachhaltig zu managen. Diese Differenzierung bezieht sich darauf, ob eine Art gerade erst beginnt sich zu verbreiten oder sich seit Jahrzehnten längst verbreitete und damit einen Status ähnlich einer heimischen Wildtierart erreicht hat. Je nach Fall lässt die EU eben ausdrücklich verschiedene Maßnahmen im Vorgehen zu.
Töten ist nämlich nach EU-Verordnung nicht die einzige „allein selig machende“ Maßnahme.
Im Übrigen hat Deutschland tatsächlich zurzeit mit zwei Vertragsverletzungsverfahren im Zusammenhang mit Tieren zu kämpfen: Weder die landwirtschaftliche Schweinehaltung noch die Versuchstierhaltung in Deutschland entsprachen den EU-Mindestvorgaben. Deutschland ist in beiden Fällen von der EU inzwischen aufgefordert, beide Bereiche hin zu mehr Tierschutz zu verändern. Dabei zeigt die zuständige Bundesministerin Klöckner allerdings wenig Engagement.

Zu der Thematik, dass Töten gerade kein nachhaltiger Weg ist, invasive Arten zu minimieren, gibt es verschiedene Literatur. Es hilft dabei ungemein, den Blick über den Tellerrand aus Hessen zu bewegen und auf Länder zu sehen, die viel länger z.B. mit Waschbären leben, wie Nordamerika oder Kanada.
Beispielsweise zeigt eine amerikanische Studie an Waschbären auf, dass die Bejagung zu keinerlei Bestandsreduktion führte, sondern lediglich zu einer Verschiebung im Altersklassenaufbau mit einem deutlich höheren Anteil an Jungtieren und trächtigen Fähen gegenüber unbejagten Populationen (ROBEL). ROBEL, R.J. et al. : Racoon Populations: Does Human Disturbance Increase Mortality? in Transactions of the Kansas Academy of Science 93 (1-2), 1990, S. 22-27.

Zudem: Hätte die Jagd auf Waschbären zur nachhaltigen Verringerung des Bestandes beigetragen, würden wir ja kaum mehr darüber reden. Hessen begann in den 30er Jahren mit vier Tieren, die ein Jagdscheininhaber sehr weitsichtig ausgesetzt hat. Die Jagd auf Waschbären war lange komplett freigegeben. Weshalb ist denn dann  bitte aus einer Handvoll Tiere unter der ständigen, sachkundigen Bejagung eine Invasion geworden?! Diese Entwicklung allein zeigt, wie verfehlt die alten „Rezepte“ sind. Jagd hat eine lange Tradition, aber wir fahren auch nicht mehr in der Pferdekutsche und sollten deshalb beim nachhaltigen Umgang mit Ökosystemen moderne, wissenschaftlich basierte, zeitgemäße Ansätze verfolgen.

Auch wenn es vielen, ewig gestrigen Jägern noch schwer fällt zu begreifen, das Tierschutzgesetz und insbesondere das Staatsziel Tierschutz schließen auch jagdbare Wildtiere mit ein!

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