Nur geschmacklos – oder zynisch?

Die Menschheitsgeschichte lehrt, dass Gewaltbereitschaft und brutalen Taten in der Regel die Erniedrigung der Opfergruppe vorausgeht. Im Hinblick auf die Tiere können wir diese Erniedrigung durch Worte und Bilder täglich verfolgen – auf unseren Autobahnen.

(Einige Beispiele in der Universalbox rechts)

Solche Aufschriften auf LKWs begegnen jedem Autofahrer immer wieder. Nicht einmal engagierte Tierfreunde kommentieren das öffentlichkeitswirksam. So selbstverständlich sind diese unsäglichen Zeichnungen mittlerweile.  Und das ist das gefährliche daran. Weder die Geschmacklosigkeit noch die Lügen, die so transportiert werden – im doppelten Sinn! – sind das wirklich Schlimme. Über Geschmack kann man bekanntlich streiten und Lügen heißen mittlerweile "alternative Wahrheit".

Das Furchtbare ist, dass die Opfer aus dem Blick geraten. Menschen fahren an diesen Tiertransportern vorbei, ignorieren die Karikaturen, finden das Tierschutz-Label einen guten Schritt in Richtung Tierschutz, lachen vielleicht sogar über die "Turnierhühner" - und setzen ihre Fahrt fort. Dabei kann jeder, wirklich jeder Mensch in Deutschland und in Europa mittlerweile wissen, wen er hier überholt: Tiere in Angst und Schrecken. Tiere mit starken Schmerzen. Tiere deportiert aus ihrer gewohnten Umgebung. Tiere getrennt von Familie und Freunden. Tiere – in vielen Fällen – auf dem Weg in den Tod. Jeder Tiertransporter ob klein oder groß, fährt Opfer durch die Gegend, unschuldige Opfer eines kranken, ausschließlich am Profit orientierten Wirtschaftssystems.

Wir akzeptieren mehrheitlich aufgrund der Pandemie alle möglichen Reisebeschränkungen. Der ADAC Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" hat derzeit grade mal ausgedient. Aber die Tiertransporter dürfen fahren, bis nach Marokko und Usbekistan. Freie Fahrt für gefangene Tiere. Ist es das wirklich, was wir wollen? Jeden einzelnen Tag werden auf Europas Straßen und Autobahnen etwa 3,8 Millionen Tiere transportiert.  Das sind 1,4 Milliarden Opfer im Jahr, Opfer, die nicht zählen, Opfer, die unbeachtet und unbeweint leiden und sterben.

Meine Bitte an Sie: wenn Sie das nächste Mal einen solchen Transporter überholen, dann schenken Sie den Tieren einen Moment des Mitgefühls. Das verändert etwas - für Sie und für die Tiere. Wie kann das sein? fragen Sie.

So ein Augenblick des Mitgefühls ist ein Akt des Widerstandes. Wer den Tieren im Vorüberfahren seine Empathie schenkt, der hat die Ebene von "Lebendmasse" und "Fleischproduktion" verlassen und ist ganz kurz auf einer völlig anderen Wellenlänge. Hier zählen Barmherzigkeit und Güte. Hier wird mit den Augen der Liebe geschaut – nicht nur auf die Tiere, sondern auch auf die Fahrer dieser LKW Monster, von denen die allermeisten, mit denen ich gesprochen habe, lieber etwas anderes tun würden, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu verdienen.

Widerstand hat allerdings einen Preis. Wer sein Herz öffnet – für die Momente, die das Überholen dauert – der spürt dann auch das Leid der Tiere, ihre Angst und ihre Schmerzen.

Davor haben die meisten Menschen Angst und machen ihre Herzen lieber zu. Aber dann erfahren sie natürlich auch nicht, was die Tiere zurückgeben…

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