- Schlachtung in Drittländern -

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TT Rinder

Tiertransporte von Schlachttieren (v.a. Rinder) in Drittländer der EU von Deutschland aus nehmen ab, die Versendung von Zuchtrindern (hier in der Regel weibliche Tiere, z.T. auch tragend) zum Aufbau lokaler Zuchten und Förderung des regionalen Milchmarktes allerdings stetig zu (z.B. in 2018 knapp 69.000 Rinderexporte aus Deutschland in Drittländer; Quelle: Eurostat).

Über Jahre sind die Leiden der Tiere auf den Transporten vielfältig dokumentiert (siehe bspw.: https://tierschutz.hessen.de/nutztiere/qual-ohne-ende)

Dies betrifft insbesondere die fehlende Versorgung der Tiere nach spätestens 29-Stunden, wenn es keine entsprechenden Stationen gibt oder diese nicht angefahren werden. Es betrifft aber auch die tage- bis wochenlangen Transporte in Frachtschiffen, die häufig nicht besonders für den Transport von Tieren umgebaut sind bzw. meist nicht den EU-Vorschriften entsprechen.

Aber darüber hinaus ist es auch notwendig, einen Blick auf die in vielen Drittländern üblichen Schlachtmethoden zu werfen.

Denn natürlich werden auch unsere dorthin transportierten Zuchttiere letztlich geschlachtet. Nach hiesiger Kenntnis finden diese Schlachtungen in den entsprechenden Ländern dort auch rasch statt - oft nach nur einer Laktation (Phase in der die Kuh nach der Geburt eines Kalbes Milch gibt).

Auch sollte bedacht werden, dass in vielen Ländern die Tiere noch nicht einmal in zugelassenen Schlachthöfen getötet werden, u. a. weil es in einigen Ländern kaum Schlachthöfe und geschultes Personal gibt – so bspw. in Algerien, Ägypten oder im Libanon.

Auch zu Marokko gibt es Fakten:
„In der Region Grand Casablanca schätzt man den Fleischkonsum auf ca. 53.000 Tonnen. Dieser Bedarf wird zu knapp 50 % aus den registrierten Schlachthöfen gedeckt. Über 20% entstammen den Schlachtungen auf den Märkten und Souks, weitere 20 % den privaten Hammelschlachtungen anlässlich des religiösen Festes Aid al Adha (zu diesem Fest werden 50 % der gesamten Hammelschlachtungen im Kreis der Familie durchgeführt). Der Ursprung der restlichen geschätzten 10 % ist unbekannt. Insgesamt wird deutlich, dass mindestens 50 % der Schlachtungen nicht unter professionellen Bedingungen vorgenommen werden. Die professionelle Fleischproduktion stellt in Marokko somit noch eine Ausnahme dar.“
(Auszug aus „Die Agrar- und Ernährungswissenschaft in Marokko“, Deutsche Industrie- und Handelskammer in Marokko)

Der Landestierschutzbeauftragten (LBT) liegt aus den Jahren 1996-2017 sowie den Jahren 2018/2019 Videomaterial zu Schlachtungen unter den ortsüblichen Bedingungen aus vier Ländern in über zehn Schlachthöfen vor. Diese Videos zeigen zum einen auf, dass es sich gerade nicht um bedauerliche Einzelfälle bzw. Ausnahmen handelt und belegen zum andern zweifelsfrei, dass Amtstierärzte die Transporte dorthin genehmigen, damit rechnen müssen, dass den Tieren erhebliche Leiden insbesondere im Zusammenhang mit der Fixierung zur Schlachtung angetan werden. Da Betäubungen vor der Schlachtung in diesen Ländern nicht üblich sind, gilt es, die Tiere mit anderen Maßnahmen ruhig zu stellen. Dazu gehören „ortsübliche“ Schlachtpraktiken, die im größtmöglichen Widerspruch zu den Mindeststandards der EU und der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) stehen. Diese führen zusätzlich zur Schlachtung in der Regel zu erheblich langanhaltenden oder sich wiederholende Schmerzen und Leiden.

Das Material kann hier eingesehen werden. Es ist für Jugendliche unter 18 Jahren und für empfindsame Menschen nicht geeignet.

Übrigens:
Amtliche Tierärzte können sich wegen Beihilfe zur quälerischen Tiermisshandlung nach § 17 Nr. 2b Tierschutzgesetz (TierSchG) strafbar machen, wenn sie einen Tiertransport in einen Drittstaat außerhalb der EU nach Art. 14 EU-Tiertransportverordnung (Verordnung EG Nr. 1/2005) abfertigen, obwohl aufgrund konkreter und ihnen bekannter Anhaltspunkte die hochgradige Wahrscheinlichkeit besteht, dass die transportierten Tiere einige Zeit nach ihrer Ankunft am Bestimmungsort unter Zufügung erheblicher und länger anhaltender oder sich wiederholender Schmerzen oder Leiden geschlachtet werden.

Die Frage, ob der amtliche Tierarzt hierbei vorsätzlich handelt, beurteilt sich danach, ob er nach den ihm bekannten Anhaltspunkten lediglich von der Möglichkeit einer tierquälerischen Schlachtung am Bestimmungsort ausgehen muss - dann kein Gehilfenvorsatz - oder ob sich ihm aufgrund der ihm bekannten Anhaltspunkte aufdrängen musste, dass die hochgradige Wahrscheinlichkeit einer solchen Schlachtung besteht - dann ist die Annahme von Gehilfenvorsatz gerechtfertigt.

Darauf, ob derjenige, der die tierquälerische Schlachtung am Bestimmungsort durchführt, sich nach den dortigen Gesetzen strafbar macht, kommt es nicht an, denn die Strafbarkeit einer im Inland begangenen Beihilfe ist gem. § 9 Abs. 2 Satz 2 Strafgesetzbuch (StGB) unabhängig davon, ob die Tat nach dem Recht des ausländischen Tatorts mit Strafe bedroht ist. Für den Gehilfenvorsatz ist auch ohne Bedeutung, dass der die Beihilfe leistende amtliche Tierarzt den die Schlachtung unmittelbar durchführenden Haupttäter nicht kennt sowie keine Kenntnis von Zeit, Ort und näheren Begleitumständen dieser Schlachtung hat.

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