Doppelstöckige Tiertransporte

Millionen Tiere werden jährlich zur Schlachtung aber auch zur Zucht durch Europa transportiert. Seit 2005 gilt in der gesamten EU eine Verordnung zum Schutz der Tiere auf dem Transport. Sie soll insbesondere Wettbewerbsverbesserungen vorbeugen und wenigstens ein Mindestmaß an Tierschutz sicherstellen. Bestimmte Rechtsbegriffe dieser Verordnung führen allerdings immer wieder zu Vollzugsproblemen, da die Verordnung umfangreich, detailliert und kompliziert ist.

Den Tieren wird auf dem Transport zugestanden, in natürlicher Haltung aufrecht stehen zu können. Dabei hatte bereits 2002 die EFSA konkretisiert, wie viel freier Raum über Rindern und Schweinen unter welchen Bedingungen vorhanden sein muss. Dies griff die EU-Kommission in einem Brief an die LBT auf und bestätigte ihre Auffassung erneut. 20 cm Platz sollen Rinder auf dem Transport mindestens über dem Widerrist haben. Diese Vorgabe, dass die Tiere in natürlicher Haltung aufrecht stehen können, führt aber letztlich dazu, dass insbesondere großrahmige Rinder nicht mehr doppelstöckig transportiert werden können. Die Größe der Tiere wurde gerade in den letzten 30 Jahren in vielen Zuchtverbänden zu einem wichtigen Selektionsmerkmal. Dabei negierte man häufig, dass sehr großrahmige Tiere aufgrund der notwendigen intensiven Fütterung einen oft nur noch unrentablen Anstieg der Milchleistung zeigen. Mittelrahmige Milchkühe sind nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen dabei oft nicht nur rentabler, sondern auch gesundheitlich stabiler. An diesem Beispiel wird deutlich wie, einmal mehr, falsch gesetzte Zuchtziele (vgl. Qualzucht) zu tierschutzwidrigen Bedingungen führen können.

In Deutschland ist die Höhe, der auf den europäischen Straßen im internationalen Verkehr zugelassenen LKW, auf 4 m begrenzt. Vereinzelte Mitgliedsstaaten sehen dies national anders und erlauben die technisch machbare Grenze bis 4,40 m.

Vor diesem Hintergrund wird in Dänemark schon länger nicht mehr doppelstöckig transportiert. In den Niederlanden gilt seit dem 01.05.2011 ein Verbot des doppelstöckigen Transports für Schlachtrinder.

Die Situation in Deutschland stellte sich 2011 folgendermaßen:

Während die eine Vollzugsbehörde aus Tierschutzgründen den Fahrern von Tiertransporten aufgab, die Dächer der LKW über 4 m hoch auszufahren, stoppt die andere Vollzugsbehörde, die Polizei, diese LKW mit der gegenteiligen Vorgabe aus der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO).

So kam es letztlich bei Kontrollen auch immer wieder zu der Feststellung, dass Rinder durch zu geringe Deckenhöhe offensichtliche und verdeckte Schäden, Schmerzen und Leiden davontrugen. Manche Schäden waren nur an den Schlachtkörpern der Tiere ersichtlich. Vor diesem Hintergrund bat die LBT 2010 die Hessische Landesregierung, sich für einen einheitlichen Vollzug der seit 2005 EU-weit bestehenden Tierschutzregelung einzusetzen und die Abfertigung von doppelstöckigen Transportern bei großrahmigen Rindern nicht mehr zuzulassen bzw. bei Kontrollen entsprechend zu ahnden. Der Vorschlag der LBT wurde leider nicht aufgegriffen. Es ist bis heute noch so, dass die Entscheidung bei jedem Amtstierarzt vor Ort verbleibt und damit Einzelfallentscheidung ist. Die LBT hält diese Entwicklung für falsch und macht sich weiterhin für eine flächendeckende Lösung stark. Auf dem Bayerischen Agrarhandelstag bezog die LBT am 09.04.2011 deutlich zu dieser Thematik Stellung.

Neben dieser Problematik ist es aber auch notwendig, das Augenmerk auf die gesamte Thematik der Langstreckentransporte zu richten: Seit Beginn der 90er Jahre sind die Missstände bei Tiertransporten bekannt. Seitdem wurden EU-weit große Anstrengungen unternommen, diese abzustellen. Allerdings ließ die EU-Regelung aus 1995 und 2005 zu, Tiere unter Einhaltung bestimmter Pausenregelung, tagelang zu transportieren. Die Praxis zeigte aber, dass alle Bemühungen ohne wesentliche Änderungen in der Regelung zur Transportzeit nur zu sehr beschränkten Verbesserungen führen. Mit fortschreitender Transportdauer leiden die Tiere zunehmend unter Wassermangel beispielsweise aufgrund eingefrorener, verschmutzter oder ungeeigneter Tränken oder auch unter Hitze und Kälte. Das gesetzlich vorgeschriebene Ventilationssystem kann weder Temperaturen senken noch erhöhen.

Diese Probleme sind systemimmanent und sie lassen sich auch durch den besten Vollzug nicht beheben. Da die EU-KOM und die Mitgliedsstaaten offensichtlich nicht Willens sind, diese Tierquälerei nachhaltig durch Reduktion der gesamten Transportzeit auf höchstens 8 Stunden zu beenden, brachte der Europa Parlamentarier Dan JØrgensen zusammen mit der hessischen Tierschutzorganisation Animals Angels eine EU-Petition in Gang. Die hierfür notwendigen 1 Millionen Unterschriften von EU-Bürgern konnten problemlos erreicht werden. Zudem wurde Ende 2011 eine schriftliche Erklärung des EP Nr. 49/2011 eingebracht, die dieses Anliegen auch unterstützen soll. Die Frist ist am 15.03.2012 abgelaufen. Die Erklärung wurde mehrheitlich unterstützt.

Die LBT wird sich auch in Zukunft weiterhin für wenigstens eine zeitliche Begrenzung der Transporte auf 8 Stunden einsetzen. Sie wird sich aber auch dafür stark machen, dass großrahmige Rinder, die nicht aufrecht in den herkömmlichen LKW stehen können, nicht mehr doppelstöckig mit normalen LKW´s transportiert werden.

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