Entwicklung eines Geflügelschlachtmobils für Direktvermarkter in Hessen

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Beispiel Geflügelschlachtmobil
Beispiel für ein behördlich registriertes Geflügelschlachtmobil (https://gefluegelschlachtereidodenhoff.de/)

In der Europäischen Gemeinschaft (EU) werden sehr viele lebende Tiere auf sehr langen Transportwegen zu weit entfernten Schlachtstätten gefahren. Ausgestallte hessische Legehennen oder Freilandmasthähnchen aus sogenannten Hühnermobilen, die regional direkt vermarktet werden sollen, werden beispielsweise (z.T. über Zwischenhändler) zu Betrieben nach Niedersachsen oder gar Belgien oder Polen gefahren, um dort dann schließlich geschlachtet zu werden.

Zwar dürfen vorhandene „registrierte“ Geflügelschlachtbetriebe auch hier in Hessen schlachten und regional vermarkten, jedoch dürfen sie keine sogenannten Lohnschlachtungen für andere Geflügelhalter durchführen, sondern nur für sich selbst. Ihr Schlachthaus darf von anderen nicht genutzt werden.

Eine EU-Zulassung, die dies ermöglichen würde, ist aufgrund der damit verbundenen Bürokratie, der Dokumentationspflichten und der hohen Gebühren in aller Regel für derartige Betriebe unrentabel.

Viele Hühnerhalter mit artgerecht gehaltenen Tieren suchen daher vergeblich eine nahe gelegene Schlachtstätte, die auch eine geringe Anzahl von Hühnern oder Hähnchen schlachtet. Die Hühner solcher Halter leben in der Regel ganzjährig in ihrem Hühnermobil mit täglichem Weidegang.

Deshalb hat die Landestierschutzbeauftragte über Mittel des hessischen Ökoaktionsplanes in einem Pilotprojekt eine mobile Hühnerschlachtstätte entwickeln lassen, die von mehreren Betrieben leihweise in eigener Verantwortung genutzt werden kann und nicht unter die EU-Zulassungspflicht fällt.

Ziel des Projekts war und ist die Produktion von Geflügelfleisch aus artgerechter Freilandhaltung – erzeugt durch stressfreie Schlachtung ohne Tiertransport.

Die Schlachtung erfolgt hier im vertrauten Herdenverband ohne weitere Belastungen. Die Tiere müssen nicht in enge Transportkäfige verladen und nicht unter erheblicher Witterungsbelastung (Hitze, Kälte, Regen) zu weit entfernten Schlachtstätten gefahren werden. Sie werden vielmehr im Schlachtmobil auf einem befestigten Platz direkt beim Hühnermobil oder in Stallnähe betäubt und fachgerecht geschlachtet. Das bedeutet, dass die Tiere keine stressbedingten Belastungen, auch nicht Angst, Hunger und Durst bei mehrstündigen Fahrten, vor der Schlachtung erleben müssen.

Außerdem kann im gemeinsam genutzten Schlachtmobil eine hochmoderne, manuelle Elektrobetäubung zum Einsatz kommen, die sonst für den einzelnen Direktvermarkter nicht finanzierbar wäre. Durch die Elektrobetäubung werden die Tiere schonender betäubt als durch die sonst bei kleinen Direktvermarktern übliche Kopfschlagbetäubung. Damit unterscheidet sich die Betäubung auch von der in großen Schlachthöfen übliche, z.T. sehr umstrittene automatisierte Elektrobetäubung im Wasserbad.

Insgesamt gesehen wird mit dem Projekt der steigende Bedarf von „kleinen“ Geflügelhaltern (sowohl Legehennen und Mastgeflügel aber auch Puten, Gänse und Enten) für eine hofnahe Schlachtung - ohne der sonst notwendigen und mit viel Bürokratie, Dokumentationspflichten und hohen Gebühren verbundenen EU-Zulassung einer eigenen Schlachtstätte - ihrer artgerecht gehaltenen Tiere gedeckt.

Die Bedeutung ist sowohl für Bio-zertifizierte als auch für konventionelle Betriebe mit artgerechter Haltung und regionaler Vermarktung für ganz Hessen enorm.

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