Pferde

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Zunächst muss erwähnt werden, dass jede Haltung von Pferden in menschlicher Obhut einen Kompromiss bedeutet, zwischen den Bedürfnissen der Pferde einerseits und den Bedürfnissen/Anforderungen des Menschen andererseits. Hinzu kommen noch Zwänge räumlicher, finanzieller oder arbeitswirtschaftlicher Art.

Dennoch sollte sich jeder (künftige) Pferdehalter Gedanken machen, was er seinem Vierbeiner bieten möchte oder ob er unter den gegebenen Umständen nicht besser auf ein Pferd verzichtet.

Außerdem müssen die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Pferdes aufgrund seines Alters, seines Gesundheitszustandes oder aufgrund besonderer Eigenheiten berücksichtigt werden.

Insofern können Haltungsformen auch nicht dogmatisch vorgeschrieben, sondern müssen bei Bedarf an den Einzelfall angepasst werden.

Grundsätzlich können aber folgende Voraussetzungen als notwendig angesehen werden:

Die Pferde werden in stabilen Gruppen gehalten, es herrscht keine ständige Fluktuation durch Zuzug und Weggang. Zweiergruppen sind problematisch, weil ggf. ein Pferd während der Nutzung des jeweils anderen Pferdes alleine zurückbleibt. In der Gruppe müssen geeignete Sozialpartner vorhanden sein (z.B. kann ein Shetland-Pony diese Funktion für ein großes Warmblut nur eingeschränkt übernehmen).

Die Eingliederung neuer Herdenmitglieder sollte schrittweise und unter Vermeidung von Verletzungsgefahren von statten gehen. Auch vorgeblich völlig unverträgliche Pferde können häufig mit anderen Pferden vergesellschaftet werden, wenn die Gewöhnung fachgerecht erfolgt.

Eine dauerhafte Gruppenhaltung ist einer Haltung mit zwischenzeitlicher Trennung (z.B. Boxenhaltung nachts, Weidegang tagsüber) vorzuziehen, da das Verletzungsrisiko hier geringer ist.

Die Haltungseinrichtungen selbst sind großzügig, sauber, versinken auch bei anhaltend schlechtem Wetter nicht im Schlamm und es bestehen keine Gefahren durch Sackgassen, enge Passagen oder schadhaftes bzw. ungeeignetes Material oder Equipment. Zäune sind stabil und ausbruchssicher, Stacheldraht hat in keiner Pferdehaltung etwas verloren.

Rangniedere Tiere haben immer die Möglichkeit auszuweichen.

Allen Pferden steht je nach aktueller Witterungslage gleichzeitig ein geeigneter natürlicher oder künstlicher Witterungsschutz zur Verfügung. Außerdem sind verschiedene, voneinander getrennte Funktionsbereiche für die Futteraufnahme, das Ruhen sowie Beschäftigung vorhanden.

Es sollte auch immer die Möglichkeit bestehen, einzelne Tiere z.B. aus medizinischen Gründen so von der Gruppe abzutrennen, dass trotzdem die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme erhalten bleibt.

Eine Besonderheit stellt die Haltung von Hengsten dar. Diese haben grundsätzlich dieselben Bedürfnisse hinsichtlich Bewegung und Sozialkontakten, stellen aber aufgrund ihres geschlechtsspezifischen Verhaltens besonders hohe Ansprüche. Sie werden in der Aufzucht üblicherweise in Gruppen mit anderen Hengsten gehalten. Für erwachsene (Deck-)hengste bietet sich die Vergesellschaftung mit Wallachen an, ohne Sicht-, Hör- oder Geruchskontakt zu Stuten, um kein Aggressionsverhalten zu provozieren. Allerdings ist hierfür eine besonders hohe und stabile Einzäunung erforderlich. Eine Herdenhaltung von adulten Hengsten bedarf hoher Fachkenntnis und dürfte für Privatpersonen kaum möglich sein.

Die meisten Pensionsställe sind auf die Haltung von Hengsten ebenfalls nicht eingerichtet und es bedarf meist erheblichen Aufwandes, eine artgerechte Haltung zu finden.

Die Fütterung orientiert sich an der natürlichen Situation, d.h. im günstigsten Fall durchgehend freie Aufnahme von Raufutter und/oder Gras. Diese Voraussetzung stößt jedoch relativ schnell an ihre Grenzen, sowie Pferde zu Fettleibigkeit und damit assoziierten Krankheiten neigen (Hufrehe, equines metabolisches Syndrom, etc.).

Hier kann es notwendig sein, den Zugang zum Futter je nach Pferd zu steuern oder die Gruppenzusammensetzung bzw. die Zurverfügungstellung des Futters am Nährstoffbedarf zu orientieren. Auch die Zufütterung von Stroh oder die Nutzung von Vorrichtungen, die Heu verzögert freigeben, kann hier hilfreich sein.

Grundsätzlich muss es möglich sein, dass alle Pferde ungestört ihr Futter aufnehmen können, insbesondere auch unter besonderer Berücksichtigung ihres Gesundheitszustandes oder Alters. Hierfür kann es notwendig werden, Pferde zeitweise am Tag aus der Gruppe herauszunehmen. Kraftfutter sollte nur im notwendigen Maße und in ausreichend kleinen Portionen gegeben werden.

Wasser steht jederzeit in ausreichender Qualität und Menge zur Verfügung, auch bei Frost.

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