Tag des Versuchstieres

Stringent das RRR-Prinzip in Hessen umsetzen, zukunftsfähige Forschung unterstützen.

Anlässlich des Tages des Versuchstieres bittet die Landestierschutzbeauftragte die hessische Landesregierung, gemäß ihres Koalitionsvertrages das in der Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU verankerte  3R-Prinzip (Refine, Reduce, Replace) zum Ausstieg aus der Methodik der Tierversuche, nachdrücklich und konsequent zu verfolgen.

Dazu gehört insbesondere der politische Einsatz für die Anerkennung von Ersatzmethoden in deutschen, europäischen und weltweiten gesetzlichen Vorschriften: „Es kann nicht sein“, so Martin heute in Wiesbaden, „dass anerkannte, validierte Ersatzmethoden erst nach langen Jahren in solche Regularien Eingang finden - und dann zuweilen nicht einmal die entsprechenden Tierversuche ganz ersetzen, sondern nur zusätzlich durchgeführt werden können. Hier braucht es stringenten politischen Willen, um zeitgemäß Prüfmethoden endlich rasch gesetzlich anzuerkennen!“

Martin begrüßt ausdrücklich die im Koalitionsvertrag bestätigte Beibehaltung der Stiftungsprofessuren für 3R-Verfahren an den Unis Frankfurt und Gießen.

Dazu Martin weiter: „Es ist erfreulich, dass die Landesregierung dort erarbeitete Vorschläge konsequent vorantreiben will. Von besonderer Bedeutung ist dabei  die Etablierung zukunftsweisender Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Studenten und junge Wissenschaftler. In den Studiengängen Medizin, Veterinärmedizin und Pharmazie ist die Ausbildung an Alternativmethoden genauso fest zu verankern, wie an Methoden zur Minimierung des Tierleids. Ausreichende Finanzmittel zur zeitnahen Bearbeitung konkreter wissenschaftlicher Projekte müssen den RRR Professuren natürlich auch zur Verfügung stehen“.

Als eine beispielhafte Methode, die unterstützt zu werden sollte, hob die LBT  Organchips hervor.

„Diese Alternative ermöglicht letztlich, anders als jeder Tierversuch, passgenaue individuelle Therapien. So stellt man sich moderne, zukunftsweisende Forschung vor“, fügt Martin hinzu.

Hintergrund:
Zur Erprobung von Medikamenten ist der Tierversuch heute noch die übliche Methode.
Aber die Übertragung der Ergebnisse von Tieren auf den Mensch ist unzulänglich, es sind kaum Vorhersagen zur Wirksamkeit möglich. Auch deshalb gilt es, neue moderne wissenschaftliche Ansätze verstärkt zu verfolgen. Dabei steht der RRR Ansatz im Vordergrund.
Als Refinement bezeichnet man solche Versuchsansätze, die das Leiden der noch benötigten Versuchstiere minimieren. Mit Reduction wiederum ist die Minimierung der Anzahl an Versuchstieren durch Optimierung und ein kluges Versuchsdesign gemeint. Unter den Oberbegriff Replacement fasst man Maßnahmen zusammen, die zu einem Ersatz von Tierversuchen (etwa durch Benutzung von Organchips, von Zellkulturen oder durch Computersimulationen) führen.

Bei einem Organ-Chip handelt es sich um eine kleine Plastikscheibe, kaum größer als eine Visitenkarte. Auf ihm sind in Bioreaktoren winzige, lebende Organe untergebracht, die z.B. aus menschlichen Spenderzellen gewonnen wurden. Aus diesen werden dann Leber, Haut, Darm in Miniformat hergestellt. Ein einheitlicher Kreislauf verbindet ggf. auch mehrere Organe. Hierin werden dann Substanzen pass genau auf ihre Wirkung getestet. Damit kann letztlich eine individuelle Medikation ganz präzise auf den Körper jedes einzelnen Patienten abgestimmt werden.

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