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Waschbär

Die Europäische Union (EU) hat, nachdem sie in 2014 die Verordnung zu invasiven Arten erließ, mit Wirkung von August 2016 die zugehörige erste Artenliste mit 37 Tier- und Pflanzenarten veröffentlicht. Die erste Erweiterung der Unionsliste mit 12 weiteren invasiven Arten ist am 2.8.2017 in Kraft getreten, wobei die Listung für eine Art (Marderhund) erst ab 2.2.2019 gilt.

Intention der Verordnung ist es, invasive gebietsfremde Arten, die nachteilige Folgen für die heimische Biodiversität haben können, zu verringern. Sie sieht neben Einfuhr-beschränkungen auch Beschränkungen der gewerblichen und privaten Haltung vor.

Nach Einschätzung der Landestierschutzbeauftragten (LBT) gehen allerdings die größten Gefahren für die Biodiversität derzeit nicht von invasiven Arten sondern vielmehr von anderen Faktoren aus. Hier sei besonders der stetig wachsende Ressourcenverbrauch genannt, einhergehend mit veränderter land-, wald- und wasserbaulicher Nutzung sowie die zunehmende Zerstückelung der Landschaft.

Auf der besagten Liste der invasiven Arten von EU-weiter Bedeutung stehen neben invasiven Krebsen auch Wirbeltiere wie der Waschbär, die Nutria und die nordamerikanische Schmuckschildkröte.

Für die gelisteten Arten gelten künftig (mit Übergangsfristen) für die Haltung Handels- und Transportverbote sowie für die im Freiland vorkommenden Arten Beseitigungs- oder Managementverpflichtungen, je nachdem ob die Arten schon weit verbreitet sind oder ob sie erstmals in einem Gebiet auftauchen.

Für die in Deutschland bereits weit verbreiteten Arten der ersten Liste der EU wurden schon auf nationaler Ebene von den Bundesländern gemeinsam sogenannte Maßnahmenblätter entwickelt, die als einheitliche Richtlinie und Grundlage für das Management dieser Arten dienen.  Die darin aufgeführten Managementmaßnahmen können sowohl tödliche wie auch nicht tödliche Maßnahmen enthalten. Was in Hessen gegen im Freiland vorkommende Arten der Unionsliste getan werden kann bzw. muss, bedarf jeweils im Einzelfall der fachlichen Abstimmung.

Man kann aber davon ausgehen, dass es bei den meisten Arten nicht möglich sein wird, sie an der weiteren Ausbreitung zu hindern oder gar vollständig aus unserem Ökosystem zu entfernen. Es geht bei ihnen also vor allem darum, eine weitere Ausbreitung zu verhindern, lokale Populationen und ggf. negative Auswirkungen auf heimische Arten zu kontrollieren, den Umgang von sich in menschlicher Obhut befindenden Tieren zu regulieren und demgemäß Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Gerade bei schon weit verbreiteten Arten wie beispielsweise dem Waschbären ist die Tötung nicht zwingend erforderlich. In Einzelfällen ist sogar die nichtkommerzielle Weitergabe solcher Tiere möglich. Voraussetzung ist aber in jedem Falle, dass bei in menschlicher Obhut genommenen Tieren eine Vermehrung durch Kastration oder Sterilisation sicher verhindert wird.

Trotz allem ergibt sich aus Sicht des Tierschutzes insbesondere bei der Aufnahme von Tieren aus der freien Natur in die menschliche Obhut die Schwierigkeit, dass die Verordnung ausdrücklich jegliches Freisetzen von Exemplaren invasiver gebietsfremder Arten in die Umwelt verbietet.

Das BNatSchG dagegen erlaubt aber ausdrücklich „verletzte, hilflose oder kranke Tiere“ (§ 45 Abs. 5 BNatSchG) zur Gesundpflege aufzunehmen, wenn es beabsichtigt und möglich ist, sie wieder unverzüglich in die Natur zu entlassen. Einmal mehr stehen sich gesetzliche Vorgaben zum Nachteil des Tierschutzes gegenüber.

Die Aufnahme von Wildtieren ausschließlich mit dem Ziel der dauerhaften Haltung in menschlicher Obhut ist nach Auffassung der Landestierschutzbeauftragten in aller Regel nicht tier- und artgerecht; die lebenslange Haltung von Tieren aus der freien Natur in Gefangenschaft ist meist mit langanhaltenden Leiden für die einzelnen Individuen verbunden.

Bei geeigneten Tierarten - insbesondere bei der Aufnahme und Pflege von Waschbären oder Nutrias – ist daher unter Umständen eine Möglichkeit zu prüfen, die Tiere nach Aufnahme und Gesundpflege unfruchtbar zu machen und wieder in die Natur zu entlassen. Dies wurde teilweise bei der Erstellung der Maßnahmenblätter seitens der Länder berücksichtigt und es gilt nun, diese Maßnahmen zu testen und zu evaluieren, sprich die Wirksamkeit mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden zu überprüfen.

Auch die EU-Kommission hat bereits in 2017 auf Anfrage mitgeteilt, dass „auch wenn Artikel 7(h) die Einbringung des Waschbären in die Umwelt verbietet, dürfen daher … die Deutschen Behörden meines Erachtens über angemessene Managementmaßnahmen, welche die Auswirkungen der weit verbreiteten invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung auf die Umwelt wirkungsvoll minimieren, entscheiden. Dies schließt die von Ihnen vorgesehenen nicht-letalen Managementmaßnahmen an invasiven Arten, bei denen die behandelten Tiere in freier Wildbahn verbleiben dürfen („Pille für den Waschbären“, Immunkastration) oder bei denen sie anschließend wieder in die freie Natur entlassen werden (chirurgische Sterilisation nach Einfangen in Lebendfallen), mit ein…