Wölfe

Wölfe und Herdenschutz
Wolf

Seit 20 Jahren gibt es wieder freilebende Wölfe in Deutschland und einzelne Tiere kehren auch nach Hessen zurück. Während viele Menschen die Rückkehr als Erfolg feiern, werden vereinzelt auch Rufe nach einer Regulierung und einer Obergrenze für Wölfe laut.

Wölfe ernähren sich überwiegend von Wildtieren wie Rehen, Frischlingen oder auch Rotwild und hier insbesondere von alten, kranken oder jungen Tieren. Wenn sich günstige Gelegenheiten bieten, werden jedoch auch Nutztiere wie v. a. Schafe und Ziegen erbeutet. Im Jahr 2019 registrierte die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) deutschlandweit 887 Vorfälle mit insgesamt 2.894 getöteten Nutztieren. Das erscheint viel, ist aber relativ zu sonstigen Verlusten, die in der Nutztierhaltung auftreten, sehr wenig. Allein in Hessen enden jährlich Größenordnungen von 40.000 Schafen, Ziegen und Kälbern - das sind etwa 10 % der Bestände - als sogenannte Falltiere in Tierkörperbeseitigungsanlagen. Es werden dazu keine Zahlen veröffentlicht, aber man kann davon ausgehen, dass die Zahl der jährlichen Verluste bei Weidetieren in Deutschland in einer Größenordnung von bis zu einer halben Million Tiere jährlich liegt. Das bedeutet, dass Wölfe für einen Verlust in der Größenordnung von weniger als einem Prozent verantwortlich gemacht werden können.

Unter diesem Gesichtspunkt seitens der Landwirtschaftsverbände von einem „Ende der Weidetierhaltung“ durch den Wolf zu sprechen, hält die LBT stark übertrieben. Hinzu kommt, dass sich die Verluste in vielen Fällen mit wenig Aufwand hätten verhindern lassen. Selbst in Bundesländern wie Sachsen und Brandenburg, in denen schon seit längerem wieder Wölfe vorkommen, werden viele Weidetiere noch nicht einmal entsprechend der „guten landwirtschaftlichen Praxis“ geschützt. Dazu sind die Halter von Weidetieren aber in eigener Verantwortung verpflichtet, und zwar ganz unabhängig vom Wolf.

Zum Herdenschutz gilt auch in Hessen, wo es bislang keine Wolfsrudel gibt, dass fachgerechte, gut gewartete, geschlossene und mit Strom gesicherte Zaunanlagen das Mittel der Wahl sind, das in der Praxis von Landwirten, Schäfern und Hobbyhaltern stringent umgesetzt werden sollte.

Das Land Hessen unterstützt Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter jährlich mit Millionenbeträgen, damit diese den Schutz ihrer Tiere verbessern können. Zudem werden finanzielle Verluste (die in Hessen nur bei wenigen Tausend Euro pro Jahr liegen) werden vollständig und großzügig ausgeglichen. Tierhalter sollten die Fördermöglichkeiten dazu nutzen, den Schutz ihrer Tiere auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Wichtig ist es auch, Weidetiere nicht für längere Zeit sich selbst zu überlassen, sondern die Tiere und die Zaunanlage regelmäßig, mindestens ein Mal täglich, zu kontrollieren, und beispielsweise bei Geburten besondere Vorsicht walten zu lassen.

Der Einsatz von Herdenschutzhunden ist in den vielen Hobbyhaltungen nicht realisierbar und stellt auch in die professionellen Haltungen eine große zusätzliche Belastung für den Betrieb dar. Daher erscheint der Einsatz von Herdenschutzhunden aufgrund der derzeitigen, sehr geringen Gefährdungslage in Hessen höchstens in absoluten Einzelfällen als wirtschaftlich und sinnvoll. Vielmehr können diese Hunde, wenn in nicht wirklich sachkundigen Händen, nicht nur zu einem Tierschutzproblem, sondern selbst zu einer Gefährdung werden. Die Haltung von Herdenschutzhunden in dicht besiedelten Räumen stellt besondere Anforderungen, z. B. an den Umgang mit anderen Hunden, Kindern, Spaziergängern, Joggern usw. Erst wenn zuvor alle anderen Maßnahmen des Grundschutzes angewandt wurden und zudem der Tierhalter über eine ausreichende Sachkunde und möglichst Erfahrung in Haltung, Pflege und Umgang mit Herdenschutzhunden verfügt, kann der Einsatz angezeigt sein.

Herdenschutzhunde sind, was vielen nicht bewusst ist, völlig anders als Hütehunde zu behandeln und können als sehr territoriale Hunde gerade in dicht besiedelten Gebieten auch zu einer Gefahr für Menschen und andere Hunde werden. Die Erfahrungen aus der Schweiz, in der mittlerweile Kantone das Verbot des Einsatzes vom Herdenschutzhund fordern, stehen hier für sich und sollten dringend bedacht werden. Es sind in Mitteleuropa nach hiesiger Kenntnis schon mehr Menschen durch Schutzhunde verletzt worden, als durch Wölfe. In Deutschland ist in den letzten 20 Jahren noch kein Mensch von einem Wolf bedroht oder verletzt worden.

Es bleibt festzuhalten: Menschen brauchen keine Angst vor Wölfen zu haben und die wirtschaftlichen Schäden, die Wölfe verursachen, sind von einer reichen Gesellschaft wie der unseren leicht zu kompensieren. So erwarten wir etwa von Menschen in afrikanischen Ländern, dass sie beispielsweise Elefanten schützen, obwohl deren reale Auswirkungen auf diese Menschen unvergleichlich existenzieller sind und sind aber selbst nicht bereit, geringste Auswirkungen hinzunehmen.

Vor diesem Hintergrund die Ängste der Bevölkerung durch provokative Plakate zu schüren bzw. mit ihnen wider besseren Wissens zu spielen, wie es einzelne Parteien und politisch Verantwortliche auch in Hessen tun, ist aus Sicht der LBT unverantwortlich.

Informationen zum Management in Hessen finden Sie hier: https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/naturschutz/arten-biotopschutz/wol...

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