Im nun beginnenden Frühling nimmt das Risiko für Wildunfälle zu, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, ein vermeintlich verletztes, verirrtes oder allein gelassenes Jungtier zu entdecken. Aus diesem Anlass hat die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) die kostenfreie App „Wildtier-SOS“ entwickelt, die ab sofort in den App-Stores für Android und iOS verfügbar ist.
Mithilfe weniger Fragen klärt die App, ob ein Wildtier tatsächlich in Not ist. Falls Hilfe erforderlich ist, unterstützt sie dabei, die passende Ansprechperson für professionelle Unterstützung zu finden. Innerhalb kurzer Zeit lassen sich Tierart, Situation und geeignete Kontaktstellen ermitteln. Ziel ist es, schnelle Hilfe zu ermöglichen und Tierleid durch fehlende Ansprechpersonen oder unsachgemäße Versorgung zu vermeiden.
Darüber hinaus bietet die App Informationen zu verschiedenen Arten, ihrer Biologie, dem richtigen Umgang sowie zu rechtlichen Aspekten. So ist es beispielsweise oft nicht notwendig einzugreifen, wenn ein Rehkitz allein im Feld liegt – in der Regel kehrt die Mutter bald zurück. Auch in solchen Fällen gibt die App passende Handlungsempfehlungen. Besteht hingegen tatsächlicher Hilfebedarf, vermittelt sie zügig die richtigen Ansprechpartner wie Wildtierstationen, Veterinärkliniken, zuständige Behörden sowie Polizei und Feuerwehr in der jeweiligen Region.
Liegt eine offensichtliche Verletzung vor oder ist ein Wildunfall passiert, führt die App besonders schnell zu konkreten Empfehlungen, damit keine wertvolle Zeit verloren geht.
Gerade im Frühjahr werden aus gut gemeinter Fürsorge häufig Jungtiere aus ihrer natürlichen Umgebung entnommen, obwohl dies nicht notwendig ist. Bei tatsächlich hilfsbedürftigen Tieren fehlt dagegen oft das nötige Fachwissen oder die Kenntnis geeigneter Anlaufstellen. Dies führt nicht selten zu zusätzlichem Tierleid, da die Tiere zu lange auf professionelle Hilfe warten oder von unerfahrenen Personen versorgt werden.
Die App verfolgt das Ziel, möglichst viele Tiere zu schützen – sowohl einzelne verletzte Tiere als auch die Wildtierpopulation insgesamt.
Aktuell umfasst die Datenbank rund 100 der in Deutschland am häufigsten vorkommenden Wildtierarten und deckt damit etwa 95 Prozent der Fälle ab. Ergänzt wird sie durch mehr als 4.000 bundesweite Notfallkontakte. Geplant ist zudem ein KI-gestütztes System zur automatischen Erkennung von Tierarten per Smartphone-Kamera, sodass Finderinnen und Finder diese nicht mehr selbst bestimmen müssen.